Die fünf Sprachen der Liebe – Wie Kommunikation in der Partnerschaft gelingt

Wer kennt sie nicht diese Geschichte? Zwei Menschen treffen sich. Es funkt! Beide sind verliebt und absolut davon überzeugt, den Partner fürs Leben gefunden zu haben. Sie gehen eine Bindung ein, sei es durch räumliches Zusammenleben oder – als letzte Konsequenz – durch die Ehe. Der Hoch-Zeit des Verliebtseins folgt die Hochzeit. Und dann geschieht etwas, womit keiner gerechnet hat: Im Ehealltag lernt man „die andere Seite“ des Partners kennen. Und in einer unendlichen Abfolge von vermeintlichen Mißverständnissen wird aus Kommunikation Konfrontation, und die Liebe bleibt auf der Strecke.

Was ist geschehen? Wo ist nach der Hochzeit die Liebe geblieben? Der amerikanische Bestsellerautor Dr. Gary Chapman beantwortete diese Frage bereits vor 25 Jahren. Sein 1992 erschienenes Buch „Die fünf Sprachen der Liebe“ enthält die Essenz aus jahrzehntelanger Arbeit mit mehr oder weniger frustrierten und unglücklichen Paaren.

Das Faszinierende daran: herauskommt ein klares Bekenntnis zur Ehe und zur Partnerschaft! Denn was so schlimm und oft ausweglos erscheint, ist wie so vieles im Leben zumeist ein Kommunikationsproblem. Und kommunizieren, das weiß jedes Kind, kann man nur in einer gemeinsamen Sprache.

Venus und Mars

Wie unterschiedlich Frau und Mann kommunizieren, wurde in den vergangenen Jahren vielfach thematisiert. Da die Frau bekanntlich von der Venus und der Mann vom Mars stammt, sind ihre Gespräche geprägt von geschlechterspezifischen Verhaltenmustern. So sehen viele Frauen in der Kommunikation einen Prozeß des gemeinsamen Austausches, der keiner Zeitvorgabe unterliegt und auch nicht schnellstmöglich zum Ziel führen muß. Männer hingegen können angeblich maximal 17 Sekunden zuhören, ehe sie eine (ihre!) Lösung präsentieren.
Ein Gespräch nur um des Gespräches willen zu führen, ist keine typisch männliche Kommunikationsform. Außer vielleicht „unter Männern“ und über so existentielle Themen wie Motorräder oder Fußball. Umso frustrierender kann es für das weibliche Geschlecht sein, wenn der Mann sich aus dem Gespräch ausklinkt, sobald er seinen Lösungsvorschlag unterbreitet hat. Der geplante Austausch kommt gar nicht erst in Gang.

Gestörte Liebeskommunikation

Der Paarberater Gary Chapman stellt zudem die These auf, daß wir unterschiedliche Liebessprachen sprechen. Während der eine Mensch sich nach Zärtlichkeit sehnt und in jeder Berührung einen Liebesbeweis erkennt, reagiert der andere auf Lob oder auf andere Aufmerksamkeiten. Welche fünf „Hauptsprachen“ es gibt, und daß nicht nur Erwachsene, sondern vor allem auch Kinder ihre eigene Liebessprache haben, wird in dem Buch „Die fünf Sprachen der Liebe“ anschaulich und an vielen Praxisbeispielen erläutert.

Beim Lesen erinnert man sich an eigene gemachte Erfahrungen, an Momente der Frustration und Sprachlosigkeit, wenn man wieder einmal kopfschüttelnd im Wohnzimmer stand, überzeugt, sich verständlich und klar ausgedrückt zu haben, ohne jedoch Verständnis zu finden. Und gleichzeitig wächst die Erkenntnis, daß es sich dabei nicht um ein böswilliges Nichtverstehenwollen des Partners handelte, sondern um ein Nichtverstehenkönnen.

Dabei wird deutlich: die große Kunst der Liebeskommunikation ist nicht die Fähigkeit, dem Partner die eigene Meinung und Weltanschauung so gut als möglich zu „verkaufen“, verbal zu überzeugen oder durch rationale Argumente zu brillieren. Vielmehr liegt sie in der Bereitschaft, die Bedürfnisse unseres Nächsten zu erkennen und seine persönliche Liebessprache zu erlernen. Denn Geben ist bekanntlich seliger denn Nehmen!

Kleine Veränderungen, große Wirkung

Wer die Liebessprache seines Partners, seiner Kinder oder seiner Kollegen erlernt und zukünftig in deren Sprache mit ihnen kommuniziert, wird erstaunliche Erfahrungen machen. Gary Chapman warnt sogar davor, daß die Anwendung seiner einfachen „Lebens- und Liebeshilfen“ zu radikalen Verhaltensänderungen führen werden – im positiven Sinne!

Denn jeder Mensch sehnt sich im tiefsten Innersten nach Liebe. Laut Gary Chapman ist unsere Seele eine Art Liebestank, welcher regelmäßig mit dem entsprechenden „Treibstoff“ (Liebe) gefüllt werden muß. Sonst geht ihm die Liebesfähigkeit aus. Wie es jedoch unterschiedliche Motoren gibt, die Super, Diesel, Gas oder andere „Antriebsenergien“ benötigen, so verhält es sich auch bei den Menschen. Falscher Treibstoff führt irgendwann zu Motorschaden (gebrochenes Herz). Und da hilft es dann auch nicht, mit gutem Wollen immer neuen falschen Treibstoff nachzuschütten.

Hat man jedoch die richtige Liebessprache erkannt und erlernt, und „füttert“ den Partner, das Kind, den Freund damit, geschieht etwas Magisches: Dieser blüht auf, da er sich angenommen und geliebt fühlt. Denn – so Gary Chapman – zur Existenzgrundlage des Menschen gehört das Verlangen, jemandem vertrauen zu können und geliebt zu werden.

Die Muttersprache der Liebe

Gemeinsam mit dem Kinderpsychologen Ross Campbell hat Gary Chapman das Buch „Die fünf Sprachen der Liebe für Kinder – Wie Kinder Liebe ausdrücken und empfinden“ geschrieben. Denn was für Erwachsene gilt, gilt für Kinder im Besonderen. Jedes Kind spricht und versteht eine ganz bestimmte „Muttersprache“ der Liebe.

Viele Eltern können sicher ein Lied davon singen, wenn sie wieder einmal ganz besonders gerecht sein wollen und alle Kinder gleich behandeln – und dabei feststellen müssen, daß jedes Kind anders auf die „Einheitssprache“ reagiert. Auch Erziehungsprobleme sind meist Kommunikationsprobleme. Doch kann die Liebe viele Hürden überwinden.

„Damit aus unseren Kindern verantwortungsbewußte Erwachsene werden,“ erklärt Gary Chapman in seinem Buch. „müssen sie sich sicher sein können, geliebt zu werden. Nur durch die Liebe erfährt ein Kind die Geborgenheit, die es zu einem sich verschenkenden und liebesfähigen Menschen heranwachsen läßt.“ Also ein klarer Aufruf an die Eltern, die Liebessprache ihrer Kinder zu erlernen. Und nicht – wie so häufig vergeblich versucht wird – ihnen die eigene Sprache beizubringen.

Zuguterletzt geht es in Gary Chapmans Büchern um die „Bereitschaft zu Liebe“! Denn für ihn ist es in Sachen Liebe nie zu spät. „Immer wieder habe ich erlebt, daß Ehen, die kurz vor der Scheidung standen, dadurch gerettet wurden, daß die Beteiligten sich willentlich für die Liebe entschieden haben. Die Liebe löscht die Vergangenheit zwar nicht aus, aber sie gestaltet die Zukunft neu.“

Liebessprachen lernen lohnt sich

Von Konfuzius stammt der weise Satz: „Wenn über die grundsätzlichen Dinge des Lebens keine Einigkeit herrscht, brauchen wir auch nicht zusammensitzen und Zukunftspläne schmieden.“ Übertragen auf unsere zwischenmenschlichen Beziehungen könnte man sagen: „Wenn wir nicht endlich lernen, liebevoll und harmonisch zu kommunizieren, werden unsere Partnerschaften weiter von Mißverständnissen geprägt sein. Unausweichlich. Denn wir sprechen aneinander vorbei.“

Soviel zur Theorie! Lassen Sie uns diese ab heute in die Praxis umsetzen: Da Sie ab nun wissen, daß es unterschiedliche Liebessprachen gibt, achten Sie doch einfach einmal darauf, wie Ihr Partner, Ihr Kind oder auch Ihr Kollege seine Liebe zum Ausdruck bringt. Das ist in der Regel seine Liebessprache! Wenn Sie ihm in dieser Sprache antworten, können Wunder geschehen.

P.S. Und falls Sie noch einen Schritt weitergehen wollen, auch in unserem Seminar DIE MACHT DER SPRACHE spielt die liebevolle Kommunikation eine wichtige Rolle. Schmerzfreies Kommunizieren kann man lernen.

Autor: Michael Hoppe